Todtraurig

Eigentlich wollte ich unbedingt über meinen neu gestrichenen Flur schreiben, aber es ereigneten sich andere Umstände:

Als ich eben aus der Innenstadt zurück kam und von der Haltestelle aus mit meinem Rad nach Hause fahren wollte, da hab ichs gesehen. Alle anderen Passanten, die aus der Straßenbahn gestiegen sind, haben diesen schnellen grauen Schweif nicht bemerkt, sind einfach weiter gegangen. Als ich realisiert habe, was da gerade passiert ist, bin ich stehen geblieben und habe mein Rad wieder angeschlossen.

Da flitzte ein graues Federpuschel durch die uft auf die Schienen, abgeworfen von einem Raben. Was was das für ein Vogel. Es war sehr erschreckend für mich, dass auf den Schienen ein ziemlich großes Vogelbaby lag. Die Federn kaum entwickelt, obwohl es schon über 10cm groß war. Das konnte nur etwas sehr trauriges bedeuten. Denn das Kleine war sicherlich kein Rabenbaby:  Zu helle Färbung, zu groß und vor allen dingen ein zu prägnanter Schnabel. Ich habe immernoch daruaf gehofft, dass es ein Wasserhuhn-Baby war…natürlich ist das, was dort lag genauso traurig, als wenn ein Wasserhuhn-Baby auf die Schienen geschmissen worden wäre, aber dieses Vogelbaby war etwas ganz besonderes. Ich habe es schon geahnt und eben im Internet recherchiert: auf den Gleisen lag ein Eulenbaby. Vor eineigen Jahren ist mir hier in der Vahr mehrmals eine Eule begegnet. Das fand ich toll: denn schließlich leben wir hier ja im urbanen Raum. Da Oberneuland nicht weit weg ist und es auch in derVahr unzählige große üppige Bäume gibt, ist das Leben von Eulen hier icht ausgeschlossen. Ich wusste nicht, ob es eine oder zwei waren. Ich habe immer nur eine getroffen. Und jetzt, ca. 5 Jahre später liegt dieses hilflose Eulenbaby auf den Gleisen.

Der Rabe: nicht dumm, hat es auf die Gleise geworfen, damit  es sich nicht mehr wehren kann, damit er sich nicht zu sehr anstrengen muss es tot zu hacken, damit die Bahn für ihn den Rest erledigt. Denn es hat noch gelebt. Gerade, als ich hingehen wollte um es aufzuheben und eventuell ins Tierheim zu bringen, kam der Rabe: hat drauf eingehackt, ich habe das beobachtet. Das Kleine war so schwach, dass es schon den Kopf hängen lassen hat. Oh scheiße, während ich geguckt habe, hat kein anderer gesehen, was ich sah. Die Leute gingen vorbei und ich dachte, dass es dumm wäre Mutter Teresa zu spielen und es wohl das Wichtigste für das kleine Baby, wenn es jetzt erlöst wurde. Der Rabe wartete auf die Bahn und ich stieg wieder aufs Rad und fuhr davon und hoffte, dass ich im Internet nicht heraus bekomme, dass dort ein Eulenkind lag. Aber leider schon, die Kriterien sind zu eindeutig.

Ich bin schon über 20 Jahre alt, aber ich frage mich trotzdem, was die Euleneltern denken. Diese Erlebnisse, wie diese Tiere vor mehreren Jahren in der Nacht lautlos über mir her geschwebt sind, das sind unveregssliche gewesen. Es ist so schön eine Eule zu beobachten.

Sie sind auch Raubtiere und töten anderes Kleinvieh. Auch der Rabe hat seine Berechtigung einen Festbraten zu schmausen. Trotzdem hoffe ich, dass die Eulenmutter wenigstens noch andere Kinder hat, die jetzt zu majestätischen Vahr-Eulen heranwachsen.

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Morgens halb sechs in Deutschland!

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