Joseph Beuys und meine naive wahre Welt

Lass dich fallen.
Lerne Schnecken zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „Ja“ sagen
und verteile sie überall in deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen.
Schaukel so hoch du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen.
Verweigere „verantwortlich“ zu sein. Tu es aus Liebe.
Mach viele Nickerchen.
Gib Geld weiter. Tu es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei.
Lache viel.
Bade im Mondlicht.
Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell dir vor, du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern.
Höre alten Leuten zu.
Öffne dich, tauche ein, sei frei.
Segne dich selbst.
Lass die Angst fallen.
Spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in dir.
Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken.
Werde nass.
Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.

– Joseph Beuys

Das kannte ich vorher nicht. Weißt Du wo ich einen Literaturnachweis finde?
Natürlich bin ich durch Facebook auf diese wunderbaren Worte von Jopseph Beuys aufmerksam geworden.

In Theaterzusammenhängen habe ich von einem unserer Mitspieler die starke Faszination die von Beuys Performances ausgeht miterlebt. Wow, da muss ich ncohmal ein Interview führen und das für Dich und Dich und Dich und alle anderen aufschreiben! Denn Kunst muss doch so schöpferisch und naiv sein, wie die Lügen, die sich auf dem Grad zum wahren bewegen, oder? Einfach machen, einfach verändern und manchmal auch ignorieren.

Gestern habe ich über mich gehört, dass ich glücklich und naiv sei, fast bis zur Weltverleugnung. Die Geschichte dazu: Ich habe eine Freundin Andrea in unserem Theater über einen Papagei reden hören. Dieser Papagei stand in der ehemaligen DDR und er sagte mit kratzender Stimme zu klein Andrea: „Hallo, ich bin so und so (Name ist ihr entfallen), der Papagei! Gib mir ein Geschenk!“ Und dann war Andrea verwundert, denn sie sollte dem Papagein Geld als Geschenk geben.  Geld, das ist doch kein richitges Geschenk. Und daswar die DDR!

Auf jeden Fall fragte ich (ich muss mich entschuldigen Andrea, wenn ich die Geschichte oben falsch wiedergeben habe, ich habe nur Papagei gehört und der flog während Deiner Erzählung so schön Ara-mäßig rot und groß in meinem Kopf herum) von der anderen Ecke des Raumes: „War das ein echter Papagei? Oder eine Maschine?“ Und dann kommt der Mann ins Spiel, der mich Weltverleugnend genannt hatte, Philipp. Nachdem Andrea, nach einer Pause mir einem Lächeln entgegnete: „Eine Maschine“ Musste Philipp auch lächeln und sagte einfühlsam: „In Deiner Welt würde ich auch gerne mal leben“ Du kennst Philipp nicht, darum muss ich dazu sagen: Es schwang natürlich ein sehr spöttischer Unterton mit und eine Prise Mitleid, die als Weiche Feder, von oben auf mich herab fallen sollte!

Um nochmal zur Wahrheit der Welt zurück zu kommen: Ich glaube ich schreibe die Beuys Sätze in Weiß auf unsere pinke Wand im Arbeitszimmer!

Und danach lade ich Philipp zum Tee ein!


Bad/Küche oder lieber Badküche!?

Habe gerade ein Video über jemanden gesehen, der sein zu Hause nicht im zehnten Stock hat. Gero. Eine Parkbank, die Ecken der Stadt und das raue Leben, 24 Stunden am Tag Anstrengung, niemals frei haben…

…stehen ganz im Gegensatz zu dem, was mir eigentlich unter den Nägeln brennt. Unbedingt möchte ich euch das Gefühl mitteilen, dass mich heute ereilt hat: Leselust!

Ich am sonnigen Feierabend aus dem Bus nach Hause ausgestiegen, die Straße entlang gelaufen und hatte Glück, dass ich nicht unter dem Auto gelandet bin, oder von einem der schnellen und zielsicheren Fahrrädern Bremens gestreift wurde (OK, die verirren sich eher selten in die Vahr). Das hätte bei meiner Unachtsamkeit nämlich durchaus möglich sein können. Mich hat gar nichts interessiert. Nicht der Asphalt, nicht die Wärme, nicht die anderen Menschen, nichts, außer MEIN NEUES BUCH!

Ich glaube auf arte (wieder einmal, siehe letzten Blog „Ein fairer Gedanke“) habe ich ein Feature zu diesem großen Stück Literatur gesehen. Jennifer Egan mit „Der grössere Teil der Welt“. WOW, ich sage nur: Pulitzer-Preis 2011. Ich glaube das war auch der Anreiz mir dieses Buch zu bestellen. Ich habe nämlich (zumindest nicht wissentlich) noch nie ein Pulitzer-Preis gekröntes Buch gelesen. Und es war noch sehr attraktiv für mich, weil es abgedruckte Power Point Folien enthält, die wohl auch später für die Story wichtig sind, bzw. einfach dazu gehören. Eine ppt über alltägliche Dinge, oder genauer ausgedrückt:  Pausen in starken Songs der Musikgeschichte. Daran kann ich mich noch anhand des arte Beitrags erinnern. Ich gucke da jetzt extra nicht rein, damit ich nichts von der Geschichte zu früh erfahre, was ich bis S. 47 besser nicht wissen sollte. Ich beschreibe dieses Buch bis zu diesem Lesezeitpunkt als klassische Popliteratur. Davon habe ich schon etliches gelesen. Meist war es zu vulgär, oder zu beliebig. Oder zu schematisch, was es dann leblos machte. Schreckliches Buch: Crazy, von diesem Wunderkindautor mit Behindertenbonus. Das musste ich in der Schule lesen und da ich da sowieso in der Pubertät war, selbst zeitweise gehänselt wurde und alles Grau schien, wollte ich mich danach umso mehr erhängen. Aber es ging auch besser: Soloalbum! Fand ich echt mega cool (und mich auch, weil ich zur Leserschaft dieses Buches gehörte). Und dann noch random Texte, auch von B. v. Stuckrat-Barre. Schreibt man den so? Aus den Augen aus dem Sinn. Naja und der Vladimir Kaminer. Der kommt ja immer mehr- aber so richtig ins Detail und meinen sensiblen Sinn für Ästhetik berührend, das schaffte keines der angesprochenen Bücher. Jedoch hat mein neues fettes Werk von Jennifer Egan es voll drauf. Ich war heute schon in einer coolen alten Wohnung in NY City, sogar mit Badewanne in der Küche. Gerade saß ich in einem gelben Sportwagen eines Musikproduzenten. Ich war auch dabei, als er sich Goldflocken in den Kaffee streute. Naja, es ist irgendwie cool. Ich will jetzt auch so eine neue Küche, bzw, brauche ich ja nicht. Küche und Bad liegen hier nebeneinander. Da wird n Loch in die Wand geschlagen und alles ein bisschen umgebaut. Zum Glück können Dem und ich problemlos voreinander auf Klo gehen. Und ziemlich offene Freunde haben wir auch. Also, nächste Woche kommen die Renovierungsfotos: VORHER: Bad/Küche und NACHHER: Badküche!

Die Protagonistin des ersten Kapitels mochte ihr Bad noch nicht einmal so gerne, duscht immer im Fitnesstudio. Sowieso ist sie eine abgedrehte Kleptomanin. Nein, ich verrate nicht zu viel, damit fängt das Buch direkt an. Ja, ich dachte echt nach dem ersten Satz: Was für ein scheiß Buch, warum lassen es die Autoren nicht endlich? Immer die gleiche Leier: „Es fing an wie üblich, (…)“ Wer will denn das lesen?, dachte ich. Aber schon unten auf der ersten Seite konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Geil, wie diese Kleptomanie beschrieben wird, wie der Rush zum Herzen aufsteigt und das Kribbeln im Körper verteilt wird, und diese Ausreden, sich selbst gegenüber, warum man klaut. Da bekommt man direkt Lust was zu klauen. Gefährliches Buch, sollte auf den Index gesetzt werden! Nein, im Ernst: Danke Buch! Du hast etwas alltägliches besonders an Dir.

Eine Sekunde für Dich, drei Tage für mich:

Ich liege mittlerweile schon weit hinter der S. 47. Ich habe weitere Charaktere kennen gelernt:  Das Buch ist in Sprüngen aufgebaut, die eine Verflechtung aus Personen ergeben, die sich kennen, kannten, oder, die sich wieder kennen gelernt haben. Drogen, Party, Rockmusik und Enttäuschungen breiten sich als Netz über diese Personen aus. Mittlerweile habe ich die Badewanne in der Küche hinter mir gelassen. Mich interessiert da eher ein Haus in einem Nebenort von NYC. Aber das ist auch schon wieder einige Kapitel her, als ich dort war. Mittlerweile kann ich sogar mehr über die Sätzstrukturen sagen: Jennifer Egan hats drauf! Mehrere erzählende Charaktere und verschiedene Zeitspünge verlangen vielschichtige Stimmen. Und das wurde hier klar durchgezogen: Die plurale Erzählerstruktur kommt durch die unterschiedlich gestalteten Kapitelfärbungen autentisch zum Vorschein. Jedoch kann man nicht sagen, dass dieses Buch ein unzusammenhängendes Mosaik ist. Man muss sich nicht übermäßig anstrengen um den Zusammenhängen zu folgen. Das liegt wohl an der geradlinigen Gestaltung der Athmosphären, die in jedem Kapitel mit derselben Konzentration fortgeführt wird. Bei der Power Point Präsentation bin ich übrigens noch nicht angekommen…

Von daher lehne ich mich nicht in mein Bastsesselchen zurück und ruhe mich hier im 10. Stock aus und halte diesen Artikel für abgeschlossen. Nein, ich lese weiter, vorgebeugt zu meinem Internetblog um das Bild, das ich von „Der größere Teil der Welt“ habe, auf der Tastatur zu Ende zu zeichnen. Ich habe ja doch genug Zeit. Die Renovierungsarbeiten im Mauerwerk zwischen Bad und Küche sind ja jetzt verworfen.


Ein fairer Gedanke

„Es geht auch darum, Respekt für andere Menschen zu zeigen und aktiv Einfluss zu nehmen auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen derer, die uns das Leben im Luxus überhaupt erst ermöglichen.“
– Zitat http://www.fair-trade-kleidung.com/fair-trade-lebensmittel.php

Ich sitze zu Hause. An einem grauen Sonntag abend. Es ist traurig, dass ich so vieles, was ich will, nicht auch sofort machen kann. Gestern habe ich den Film In Time geschaut

Trailer:hier

Meine Kritik: Muss man nicht gucken, zu statische Kamerafürhung. Entweder hätte der Regisseur die Schnitte und Bilder dynamischer gestalten müssen, oder die Szenen surrealstischer werden lassen müssen. Die Figur der weiblichen Hauptdarstellerin vor allen Dingen und die der anderen Charaktere sind schwach gezeichnet und es gibt durchaus schwammige Inhalte und Umsetzungen (die Schusswechselszenen sind von dem 50 Kilo Mädchen einhändig mit einer bleischweren Waffe ausgeführt wurden, oder der Tod einer Person ist ganz zufällig nicht auf der Überwachungskamera drauf, obwohl sonst der ganze Tag gefilmt wurde). Vielleicht gibt es ein Buch auf dessen Grundlage der Film basiert? Das könnte man bestimmt mit Gewinn lesen.

… und (um mal mit meinem Tag weiter zu machen) heute eine Reportage auf arte.

Endstation Fortschritt?

Beides hat sich mit dem Menschen beschäftigt, der quasi als Parasit sich selbst zerstört, weil er die Erde zerstört, bzw. eine ungerechte Gesamtsituation schafft. Dem findet es nicht gut eine Patenschaft für ein Kind in einem dritte Welt Land anzunehmen, solange es noch Kinder gibt, die in unserem eigenen Land keinen idealen Alltag haben. Der Alltag der Deutschen… davon haben wir beide schon eine Ahnung: Der kleine Spatz ist in der öffentlichen Institution Schule tätig und Dem ist in dem Verteidigungssektor beschäftigt. Er käpft für die Sicherheit und ich für die Bildung. Dieser Gedanke macht einen ein bisschen depressiv, hier im zehnten Stock sitzend. So müsig an einem Sonntag. So nichtstuend. Man kann sich alles angucken was man will, das Internet machts möglich, wir könnten überall hinfahren, so lange der Sprit reicht, unser Auto macht es möglich. Aber wohin mit der guten Laune, mit der Kreativität und mit unserem Geld. Wenn man es global betrachtet: Mit unserem vielen Geld. Dem hat ja Recht: Erstmal muss es den Leuten hier gut gehen. Und ich habe auch Recht: Man darf keine Strukturen unterstützen, die es hervorbringen, dass die Kids in anderen Ländern um ihre täglichen Mahlzeiten fürchten müssen. Ich mache so vieles falsch. Ich habe so viele eigene Bedürfnisse, die sich nicht mit denen des Weltfriedens decken. Meine Ernährung kann zum Beispiel schwer vegan, oder sogar vegetarisch sein, denn die meisten Gemüse und Obstsorten vertrage ich nicht. Das ist schonmal doof. Aber ich hoffe mal, dass der Gedanke, den ich habe dann trotzdem was bringt: Ich möchte jetzt mal was ausprobieren. Ich kaufe schon viel Second Hand: Möbel und Kleidung. Wir sind immer aktiv am Kleidertauschen, menie Freundinnen und ich. Und sonst gibts bei ebay ja alles gebraucht und preiswerter. Jetzt, wo ich endlich mal nicht mehr am Existenzminumum lebe, könnte ich es mir auch leisten: Mehr Klamotten, neue Klmotten, frische Möbel. Aber nein! Ich möchte mir – wenn ich schon in der Essensgerechtigkeit nicht so gut bin – eine Sache auferlegen: Fairtraide und Secondhand! NICHTS NEUES UNFAIR PRODUZIERTES MEHR KAUFEN wenn es um Möbel und Kleidung geht!

Ich bin da sowieso nicht so anspruchvoll: Was ich liebe, das wird angezogen. Und ich kann ziemlich schnell Sachen lieben! Omas Schrank wurde vor ein paar Wochen geplündert: WOW, gabs da tolle Kleider und Röcke für mich. Und vielleicht sind die sogar noch aus der Zeit, wo es Made in Chinca noch nicht wirklich hier gab. Also: Schonmal eine Quelle! Und dann: weiterhin ebay shoppen, alles Getragene und Gebrauchte. Außerdem habe ich eine tolle Seite gefunden:

http://www.fair-trade-kleidung.com

Von einem Typen, der in Indien war und sich dann überlegt hat, dass diese Welt so ungerecht ist, er will sich wenigstens ein bisschen für die neue Gerechtigkeit einsetzen. Es gibt auch einen kritischen Abschnitt zu Fair Trade auf seiner Seite.

Die Kleidungsseite, die mir von den Klamotten her am besten gefällt ist diese hier:

http://www.avocadostore.de

Dort gibt es von mehrern Anbietern unterschidliche Mode. Mal teuer, mal etwas preiswerter. Eine Stoffhose für 85 Euro und zuzüglich 5 Euro Versandt ist leider noch zu teuer für mich. Aber es gibt einige T-Shirts, die ich schön finde. Wenn ich also wieder etwas brauche, dann schaue ich erstmal da. Und wenn ich dort nichts finde, dann trage ich eben, was in meinem Schrank ist. Das heißt: Die neuste Lieferung von H&M brauche ich gar nicht mehr bei der Post abzuholen. Schade, ich wollte einen neuen Blazer haben: Mein alter Lieblingsblazer, der mich schon lange begleitet hat und an dessen Knopfleiste ich einen Totenkopfknopf angebracht habe, ist leider verschwunden. Das passiert mir äußerst selten.

Letztens war unser Telefon allerdings auch tagelang verschwunden. Es tauchte auf, als endlich Sperrmüll war. Ich habe nämlich ein Regal wieder dahin gebracht, wo ich es her hatte: Auf die Straße. Und als das erstmal weg geräumt war, wurde das mittlerweile stromtote schnurlose Telefon wieder sichtbar.

Anyway: Ich muss durchalten und sparen. An Klamottenkauflust und an Geld, damit ich mir dann, wenn ich es für nötig halte, geldlich das auch leisten kann.

Wünscht mir Glück!
PS: Die Chillipflanzen sind schon groooooooooooooß geworden! Ja und es gibt sogar schon eine Chilli!

Toll wa?!