Zu Hause in der Schanze

Lieber Freund, der du großartige Fotos machst und leider nicht auf meinen Geburtstag warst, diesen Eintrag gibt es nur wegen dir. Und dieses öffentliche Blog-Geständnis auch: ich wohne nicht mehr in einem Hochhaus.

Wozu dann noch dieser Blog (Zur Info: 2011 hieß er „Zu Hause im 10. Stock“, der Name änderte sich aufgrund meines Umzugs innerhalb Bremens dann 2013 zu „Zu Hause im 17. Stock“)? Seitdem ich in Hamburg wohne drängt mich das Bedürfnis nach einem neuen Blog; schreiben was abgeht in der Schanze. Da, wo ich jetzt wohne. Eingedrungen in dass vollkommene it-Gefühl. Die Seele des Hipsters spürend, gerne stylisch lebend, hätte ich jetzt viel oberflächlich Schönes zu erzählen. Ja auch tiefgründig durchdringt mich dieser Umzug auf eine wunderbare Art und Weise.

Ich könnte auch reflektieren. Auf diesem Blog analysieren: warum eher Hipstertum, anstatt ehrliche Nachbarschaftspflege in einem belebten Hochhaus zu betreiben? Die Frage ist schnell beantwortet: ich habe alle Leute im Hochhaus stets gehasst. Das tiefgründige Argument den Blog zu schreiben um Menschen in meinem Haus zu BEschreiben war schlichtweg eine Lüge um die Enge der Bedrängnis zu vertuschen, die die Vahr in mir auslöste. Road to ruin? Ich wollte mir dieses Bremer Viertel cool reden. Cool, dass die Mieten da noch so niedrig waren, dass ich mir ein Leben dort stets leisten konnte. Aber eigentlich wollte doch jeder im Viertel wohnen!? …jeder, der so tickt wie ich, ein bisschen Hipstermäßig. Um das ZU VIEL an Vahr auszugleichen, dass mir meine Herkunft in der Kindheit verabreicht hat.

Nun denn, eventuell werde ich meine Flucht in den neuen Heimathafen Schanze in ein paar Jahren auch als etwas anderes entlarven. Aber jetzt sage ich: Aufladen geht hier besser. Ich gönne mir in Hamburg sozusagen ,,Ostertorsteinviertel“-deluxe. Hier sind die Kneipen geiler, das Bier gnädiger, die Wege anarchischer und die Nutten besser…letzteres bildlich gesprochen. Man fühle ich mich hier gut.

…da fällt mir auf…schon vor vier Jahren postete ich ein schönes Video über meinen neuen Nachbarstadtteil.

 


Oh my girl what happened to you?

Die Überschrift sagt es mit den Worten von Jamie T

Oh my girl – Jamie T (<<<<klick rauf zum Musikvideo)

Ich schreibe ja gar nicht mehr! Nein! Falsch. Nicht mehr auf den Blog. Schade Mädls und Jungs, schade meine Lieben Leserinnen und Leser.

Aber ich bin nicht weg. Zu Hause im 10. Stock. Da ist es nach über zwei Jahren auch mal getan mit dem Einrichtungswahn. Es hat sich gegessen mit dem bauen und streichen. Vielleicht ist in 5 Jahren mal eine Renovierung dran. Oder mal – vorher schon – ein Umzug?
Der Blog sagt aber mehr. Darum sollte ich anfangen zu schreiben, über anderes, über mehr. Vielleicht kommen jetzt bald mal die ersehnten INHALTE in diesen Blog.

Wie siehts hier aus? Wie lebt es sich in dieser Wohnung? Als ganz individuelles Beispiel einer Bremerin in ihrer Quater-life-Phase; ja, so heißt das, ich habe gelernt, dass man eine Quater-life-crisis haben kann.

„Oh my girl what happned to you?
You fallen down right where you came from.
Right at the bottom where I met you“

– Jamie T
Ja, mit fast 25 gehe ich gerade wieder dahin zurück, zurück wo ich hergekommen bin, zurück zu der Stelle, an der ich als Kind war: Träume, Tiere, Musik, Kreativität, basteln, mit Freunden verabreden, spielen, tanzen. Und weißt Du was es für mich bedeutet? Nicht Crisis, sondern fleeting, ein dahinschreiten durch die Träume, die ich damals hatte. Jetzt kann ich so viel mehr sehen, riechen, anfassen, so viel weiter laufen und so viel höher springen. Wow, ich rate allen Kindern und Jugendlichen die manchmal denken: Irgendwie wird das Leben immer härter und die Träume von damals ja sowieso nicht realisierbar: GLAUBT WEITR DRAN! Und probiert es aus Kids! Ausprobieren! Wenn ihr größer uns älter werdet, dann dürft und könnt ihr auch mehr! Immer schön die eigene Mündigkeit anstreben und erhalten!

Was mich angeht: Holla die Waldfee! Hätte ich als Mädchen ein Tagebuch geschrieben mit den Anforderungen die ich an die Wunschvorstellung von mir im Alter von 25- Jahren gehabt hätte, es würde fast überall ein Haken hinter stehen!

Und hinter den essentiellsten Sachen steht einer:

Freunde

Musik

Eigenständigkeit

Präsenz

Glanz

Ehrlichkeit

Stärke

Kreativität

Empathie

Gesundheit

Mut

Liebe

Das alles habe ich bekommen durch die Geister, die ich rief! Und wo sonst immer die Winterdepression eingesetzt hat- wenn es kälter wurde – findet sich gerade ein ganz anderes Gefühl wieder. Der Zustand der erfüllten – und was noch viel interessanter zu fühlen ist – der sich erfüllenden Träume. Weißt Du, wie sich das anfühlt? Denke mal daran, wann sich Dein letzter Traum erfüllt hat? Kennst Du das Gefühl? Das habe ich gerade. Es ist toll. Und darum rate ich Dir. Wenn Du irgendwann irgendwas nicht geschafft hast und Du willst es machen, und Du denkst immer wieder dran. Dann tu es! Tu es!
Der kleine Elefant, der in Ketten gelegt wurde, er hat versucht sich als Kind von diesen riesigen Ketten zu lösen. Aber der kleine Elefant war noch zu zierlich und schwach. Er hat irgendwann einmal aufgehört zu ziehen, an dem Metallstrick. Er hat sich mit seiner Situation abgefunden. Aber er ist gewachsen. Auch er wurde – wie es Elefanten nun mal so werden – größer und stärker. Seine Kette ist nicht mitgewachsen. Es war immernoch dieselbe Fessel wie damals. Aber der Elefant hat nie wieder versucht an ihr zu ziehen. Er hat es nie wieder probiert. Er hat resigniert. (Danke Irina für diese tolle Geschichte, die Du mir erzählt hast)

Was machst Du?

Was ich mache?

Ich sitze hier im Arbeitszimmer und mache Musik. Wie verrückt. Diese scheiß Kette, ich habe sie sowas von zerrissen und hinter mir gelassen. Diese minimalen Spuren, die an eine resignierte Vergangenheit erinnern könnten, sie sind durch Salzwasser weggespült wurden und durch die Gräser und Äste die meine Knöchel auf dem Weg berührt haben weggewischt. Was ist hier jetzt? Eine ganz neue Fokussierung. Ich trage keine Metallfessel mit mir herum. Aber hier ist dennoch ein Band. Es berührt mich. Es hält mich und meine Freunde. Ich lerne gerade so viel von meinen Freunden. Ich bekomme neue Eindrücke, spiele mit diesen herum und verwende diese um bei anderen Freunden widerum neue Eindrücke zu schaffen. Ich gebe weiter was ich habe und es wird immer mehr.


Umziehen

Hier gibt es ein Video, dass meine Lieblingskünstelrin Regina Spektos zeigt, wie sie über ihre Immigration spricht:

Regina Spektors Geschichte

Und dann nochmal das volle Video zu „On the Radio“ auf der tollen Seite tape.tv
Regina Spektor hat als russische Jüdin in New York ein neues Zu Hause gefunden. Entstanden sind wunderbare Songs. Ihre Lieder zu hören entführt in eine andere Welt. Aus einem anderen Interview habe ich ein wunderbares Zitat behalten. Sie sagte ihre Musik sei wie ein Außerirdischer, der mit der Taschenlampe Morsezeichen ins All schickt. Alle die ihre Musik hören und lieben sind die besonderen Menschen, die dieses Morsezeichen irgendwo auf einem fernen Planeten erwiedern.

Ich habe mich auch heute mit so einem besonderen Menschen getroffen, der auf meine Lichtzeichen hier auf der Erde reagiert hat: Mit meiner Freundin Aeischa. Und wir haben eine coole Sache getan! Ich habe sie heute mit meinen Klamotten gestyled und ihr ein Outfit zusammen gestellt. Nicht ganz ohne Inspiration von außen: Diana Briant von musk3teers hat uns zu dieser Aktion animiert. Das war so lustig. Sie sah sooooooo cool aus in meinem Beatles Shirt und meiner pinken Strumpfhose…nicht zu vergessen meine neuen weißen Lederschuhe mit buderpester Muster. Och, das war ein Traum. Hätte ich das hier lieber als Modeblock aufziehen sollen? Nein, es ist schon alles gut so: Zu Hause mal Modenschau spielen und die Freundin umstylen ist auch echt n tolles Spiel für ruhige Sonntage an denen die Sonne ins helle Wohnzimmer scheint. Außerdem weiß ich noch nicht, ob ich ihr hünsches Bild hier posten darf. Es war auf jeden Fall witzig zu sehen, wie jemand in meinen Klamotten aussieht und sie hat echt so hübsch gewirkt mit ihrer schönen Hautfarbe zu den flippigen Farben. Mal gucken, wann wir das Spiel bei ihr spielen und sie mich hemmungslos in ihre Klamotten einkleiden darf!?


Was mich aus dem Haus lockt…

Bald geschehen in Bremen ein paar Dinge, die mich aus dem Haus locken werden!
Das ist immer ein bisschen schwer, weil ich ja so gerne renoviere.

Zum einen werde ich sehen, was die freie Marktwirtschaft für mich zu bieten hat und zum anderen erwarte ich hohen Besuch. Meine Freundin aus Chicago besucht mich zusammen mit ihrem Cousin. Das wird ne Fete. Wir wollen ihrem Cousin einen deutschen Kulturschock in Bremen verleihen…aber wie? Hat jemand ne Idee, was man in Bremen finden kann, dass typisch Deutsch ist? Ich kenne Bremen sehr gut, aber ich schätze  gerade die offene Vielfalt die es in dieser Stadt gibt. So typisch deutsch ist für mich eigentlich nichts, außer ein paar beschimpfende Verhaltensweisen: Eingefahrenheit, Gewöhnliche Menschen, die sich nicht öfffnen können, wenn jemand verhalten ist und es ihm schwer fällt Gastfreundschaft durch Schlaf und Trunk zu zeigen.

Aber das findet man bei mir natürlich alles nicht!

Es geht also übermorgen erstmal los: wir werden ganz undeutsch zu einem norwegischen Konzert gehen! Der grandios gewählte Name Kakkmaddafakka (heißt übersetzt MeinKleinerSpatz, nein Scherz) spielt im Lagerhaus.

Zieht euch das rein, ich habe bis jetzt nur gutes von live-Auftritten dieser Band gelesen:

http://www.youtube.com/watch?v=qJD6H-pF0eQ


She’s a faker

Da ich gerade erst mit DEM zusammen ziehe und vorher viele WG Erfahrngen gemacht habe, interessiert es mich schon, wie es wohl Beziehungstechnisch weiter geht. Ich denke, dass ein Zusammenzug von zwei liebenden, sich sehr nah stehenden Menschen, die sowieso jeden Abend den Wunsch haben nebeneinander einzuschlafen, unter einem Guten Stern steht.
Aber es geht auch anders. Thematisch hat sich der Musiker Pjtr Kaufmann in diesem Lied damit beschäftigt:

She’s a faker – Pjtr Kaufmann

Einer Liebt, der andere betrügt…shes a faker. Und dann wohnt man zusammen…wie kommt man aus sowas raus?

Mein Tipp: Wenn man zusammen wohnt,  setzt man sich direkt auseinander mit Gefühlsdifferenzen. Auch, wenn es hart klingt, aber ich denke, dass man in einer Partnerschaft (und auch in Wohngemeinschaften) durch weniger Freiräume mehr Freiheit erlangt.  Damit meine ich ganz praktisch, dass in der Beziehung von DEM und mir nichts unausdiskutiert beliebt. Wenn der eine merkt, dass der andere ein schlechtes Gefühl hat, dann wird so lange gesprochen (auch auf die knallharte erhliche Tour, aber bitte ohne beleidigend zu werden), bis man einen Lösungsansatz für das Problem gefunden hat.
Wenn einer dann irgendwann anfängt zu lügen (meistens ja sich selbst zu belügen), dann merkt der andere das sowieso, ganz à la „she’s a faker“ Und das sollte niemals Gegenstand einer Beziehung sein: die Lüge, das Vormachen, das Abstand nehmen um sich nicht rechtfertigen müssen. Damit meine ich, dass durch bewusste Konfrontation, die auch nicht immer Spaß macht und einem die Freiheit nimmt alleine über Probleme nachzudenken, das Problem erst überhaupt gelöst werden kann. Denn wir wohnen hier alle auf der Welt zusammen. Auf der Erde meine ich damit. Vielleicht wohnst Du ja alleine in einer schönen Wohnung, aber dann ist es nicht weniger wichtig die unmittelbare Umwelt zu akzeptieren, bzw. sich selbst einen Meinung zu bilden wer man ist, wie man sich dort verortet und dementsprechend handelt.

Und das finde ich in einer Wohnung, die man mit dem Partner teilt essentiell. Das finde ich im Job essentiell und im Freundeskreis.


Heimat-Musik

Nein, in dieser neuen Kategorie soll keine Musikanten-Stadl-Volksmusik gezeigt werden. Vielmehr ist es mein Anliegen Musikvideos, oder Lieder zu sammeln, die sich mit dem wohnen, oder mit dem Begriff zu Hause beschäftigen.

Yael Naim hat nicht nur textlich wunderbar das Gefühl beschrieben sich (nicht) zu Hause zu fühlen, sondern auch das Video ist ein „Happy End“ cauz we understand!

Yael Naim – New Soul
Gerade neu eingerichtet, alles mit Fototapete so schön nachgestellt, wie man es sich in echt wünscht, steht sie auf einmal vor dem Echten, dem Richtigen ..bzw AUF einem richtigen Party-Floß mit all ihren Freunden. Auch wenn sie alle „possible Mistakes“ gemacht hat: sie ist angekommen!